Der 45-jährige Roel Janssen (bekannt durch den Radsport) hat Typ-1-Diabetes, aber das hält ihn nicht von seinen sportlichen Ambitionen ab. Das Jahr 2014 stand für ihn ganz im Zeichen der französischen Radsportveranstaltung La Marmotte. Die herausfordernde Fahrt führt 174 km über vier Berge, von denen drei zur äußeren Kategorie gehören, mit 5000 Höhenmetern. Das ist schon eine ziemliche Leistung für einen "gesunden" Radfahrer, ganz zu schweigen von jemandem mit Typ-1-Diabetes. Wir haben Roel gefragt, wie er seine Ernährung gestaltet, um seine Leistung zu maximieren.
Was ist Typ-1-Diabetes?
Der Radsportler vom Cyclingteam Sports Endurance.de und Botschafter der Bas van de Goor Foundation erklärt zunächst, was Typ-1-Diabetes bedeutet. "Es ist eine Autoimmunerkrankung, bei der der Körper kein eigenes Insulin mehr herstellt. Insulin bringt die Glukose aus der Nahrung (den Treibstoff für den Menschen) zu den Zellen im ganzen Körper und öffnet die Türen der Zellen." Bei Diabetes muss Roel diese Situation selbst nachahmen. Allerdings muss er die Kohlenhydrate selbst berechnen und ihnen gerade so viel Insulin zuführen, dass die Glukose zu den Zellen gelangt. Roel: "Diese Kontrolle erfolgt mit einer Spritze oder mit einer Pumpe. Praktisch alles beeinflusst die Insulinempfindlichkeit. Zum Beispiel bei Hitze, Krankheit, Stress, Alkohol, Höhe (in den Bergen) und Sport. Mit all diesen Punkten zusammen versuchen Sie ständig, sich im Gleichgewicht zu halten. Wenn Sie zu viel Insulin im Körper haben, haben Sie nicht genug Energie und es kann zu einer Hypo kommen. Wenn man zu wenig Insulin im Körper hat, kann man einen Hyperzustand bekommen. Für mich ist Radfahren ein wunderbarer, konstanter und herausfordernder Sport. Aber er sorgt auch dafür, dass ich zum Beispiel bis zu 30 % weniger Insulin benötige als ein Nicht-Sportler.

Reaktion auf das Foto von Roel Janssen: "Echt krass! Das Foto, aber auch der Fahrer 😉 Dieser Anstieg war kurz unter dem Gipfel des Galibier. Da bin ich richtig tief gegangen! Das Abfahrtsfoto ist die Abfahrt vom Galibier. Eine halbe Stunde bergab. Bin 86 km/h gefahren. Auch sehr cool!"
Gleichgewicht in der Ernährung
Den ganzen Tag über arbeitet Roel bewusst an seiner Ernährung, um das richtige Gleichgewicht in Kombination mit Insulin zu finden. Regelmäßiges und gesundes Essen hilft, dieses Gleichgewicht zu optimieren. Besonders beim Sport ist es wichtig, auf die Aufnahme von langsamen und schnellen Kohlenhydraten zu achten. Produkte mit vielen Ballaststoffen und Stärke enthalten zum Beispiel häufiger langsame Kohlenhydrate, während ungesunde Lebensmittel eher schnelle Kohlenhydrate enthalten. Um den Radsport lange durchzuhalten, ist es für Roel wichtig, viele langsame Kohlenhydrate zu sich zu nehmen. Vor, während und nach dem Training nimmt er Folgendes zu sich:
- Normalerweise muss ich mich vor einem Training um das Frühstück kümmern. Zusätzlich zu meinen diabetischen Einstellungen (Insulinanpassung usw.) mache ich vor allem ein doppeltes normales Frühstück mit langsamen Kohlenhydraten, die nur während des Trainings aufgenommen werden.
- Eine halbe Stunde vor dem Training trinke ich zunächst eine Wasserflasche.
- Beim Training nehme ich eine große Wasserflasche und ein Sportgetränk mit. Letzteres für die Kombination aus Kohlenhydraten und Elektrolyten. Je nach Wetterlage trinke ich etwa einen Bidon pro Stunde/eineineinhalb Stunden. Es ist nach wie vor schwierig, dies konsequent zu tun. Ich mache das bewusst, und wenn ich ans Trinken denke, trinke ich. Außerdem halte ich mich daran, jede Stunde so viele Gramm Kohlenhydrate zu essen, wie ich an Körpergewicht zugenommen habe. In meinem Fall sind das 70 Gramm Kohlenhydrate pro Stunde. Ich variiere normalerweise mit Bananen (langsame Kohlenhydrate), Lebkuchen und Energieriegeln. Bei anstrengenden Fahrten nehme ich oft zusätzlich Energiegels (für zusätzliche schnelle Energie) und Elektrolyte (zur Unterstützung bei Krämpfen).
- Nach dem Training gönne ich mir immer Hüttenkäse oder türkischen Joghurt, mit Honig und Walnüssen. Zu Beginn der Saison und nach intensivem Intervalltraining trinke ich ein Erholungsgetränk. Außerdem ist es wichtig, nach dem Training schnell Kohlenhydrate zu essen (am besten innerhalb einer halben Stunde).
Jede Menge Fasern
Während intensiver Trainingsperioden stapelt Roel bewusst Kohlenhydrate. Dabei wählt er bewusst Vollkornprodukte oder Produkte mit einem hohen Ballaststoffanteil, da diese oft langsame Kohlenhydrate enthalten und natürlich gesund sind. "Ich bin ein Liebhaber von Obst, Gemüse und Salaten. Fleisch, am liebsten so zart und mager wie möglich. Auch Fisch esse ich bewusst mindestens einmal in der Woche. Wegen meines Diabetes und weil ich eine 'Kletterziege' bin, nasche ich so gut wie nie und auch keine Süßigkeiten. Ganz gelegentlich etwas Schokolade oder Nüsse, in Kombination mit einem Glas Wein, finde ich lecker, aber in Maßen. Auch beim Training entscheide ich mich bewusst für Sporternährung, denn sie bietet mir Abwechslung in Form von schnellen und langsamen Kohlenhydraten." Was können wir von einem Menschen mit Diabetes lernen? "Wenn man mit Diabetes konfrontiert ist, wird einem alles bewusst, was man tut und was man isst. Nichts wird als selbstverständlich angesehen. Es macht einem bewusst, wie genial unser menschlicher Körper sich selbst regulieren kann. Das ist faszinierend und darauf muss man achten. Letztes Jahr habe ich die wunderbare Herausforderung Le Marmotte angenommen und die Fahrt mit einer Goldmedaille beendet. Das war eine wunderbare Erfahrung und eine Bestätigung dafür, dass Diabetes kein Hindernis für Sport sein muss. Man kann viel mehr tun, als man denkt!
Dieser Artikel erschien bereits in der Zeitschrift Fiets Sport - 01/2015