Was ist Tapering?
Tapering ist eine sorgfältig geplante Phase der reduzierten Trainingsbelastung im Vorfeld eines wichtigen Rennens. Das Hauptziel dieser Phase besteht darin, die durch intensives Training angesammelte Ermüdung zu reduzieren, ohne die sorgfältig aufgebaute Fitness, wie Ausdauer und Kraft, zu verlieren.
Tapering zielt darauf ab, das Leistungspotenzial zu maximieren. Es geht darum, das richtige Gleichgewicht zwischen der Verringerung der Ermüdung und der Erhaltung der Fitness zu finden. Wenn ein Läufer sich zu viel ausruht, riskiert er, seine Fitness zu verlieren. Ruht sich der Läufer hingegen nicht ausreichend aus, bleibt die Müdigkeit bestehen, was sich negativ auf die Leistung auswirkt.
Die Vorteile des Tapering
Die intensive und lange Dauer des Marathontrainings stellt eine große Belastung für den Körper dar. Das Tapering bietet die Möglichkeit, sich zu erholen und zu regenerieren und sich mental besser vorzubereiten. Die Vorteile des Tapering sind:
- Auffüllen der Glykogenspeicher: Ein Marathon erfordert eine große Menge an Energie. Das Tapering ermöglicht es dem Körper, die Glykogenspeicher so optimal wie möglich aufzufüllen.
- Die Reduzierung der Trainingsbelastung gibt Muskeln und Sehnen die Möglichkeit, sich zu erholen.
- Das Tapering reduziert die Trainingsbelastung und gibt dem Körper die Möglichkeit, sich zu erholen. Dies kann zu einem besseren Gleichgewicht im Körper beitragen.
- Untersuchungen zeigen, dass das Tapering einen direkten und messbaren Einfluss auf die Wettkampfleistung hat. Die Leistungsverbesserungen reichen von 2,6 % bis zu 5 %.
- Das Tapering sorgt für mentale Ruhe, reduziert Stress und Ängste und verbessert die Schlafqualität.
Wann beginnt man mit dem Tapering für den Marathon?
Eine groß angelegte Studie von Smyth & Lawlor (2021) ergab, dass Läufer, die ihr Training diszipliniert auslaufen lassen, bessere Marathonleistungen erzielen.
Die Ergebnisse zeigen, dass ein 3-wöchiger Tapering-Plan am effektivsten ist. Läufer, die diesen Zeitplan befolgten, sparten durchschnittlich 5 Minuten und 32,4 Sekunden auf ihre Marathonzeit. Das ist eine Verbesserung von 2,6 %. Beachten Sie, dass es sich hierbei um Marathonläufer mit einem sehr hohen Trainingsumfang handelt.
Die Dauer des Tapering hängt von Ihrem wöchentlichen Trainingsumfang ab:
- Laufen Sie mehr als +- 90 Kilometer pro Woche? Dann ist ein 3-wöchiges Tapering die beste Option für Sie.
- Laufen Sie weniger als 90 Kilometer pro Woche? Dann reicht ein 2-wöchiges Tapering aus.
Praktische Richtlinien für das Tapering-Volumen können je nach Ihrem anfänglichen Trainingsumfang wie folgt aussehen:
Für ein 3-wöchiges Tapering (für Läufer, die mehr als 90 km pro Woche laufen):
- Woche 3 vor dem Rennen: Reduzieren Sie das Volumen auf 70-80 % Ihrer Spitzenwochen.
- Woche 2 vor dem Rennen: Weiteres Reduzieren auf 50-60 % des Spitzenvolumens.
- Rennwoche: Deutliche Reduzierung auf 30-40 % des Spitzenvolumens.
Für ein 2-wöchiges Tapering (für Läufer mit weniger als 90 km pro Woche):
- Woche 2 vor dem Rennen: Reduzieren Sie das Volumen auf 60-65 % Ihrer Spitzenwerte.
Rennwoche: Reduzierung auf 30-40 % des Spitzenvolumens.
Der wichtigste Faktor, der während des Tapering reduziert werden sollte, ist das Gesamttrainingsvolumen bzw. die zurückgelegten Kilometer oder die Gesamttrainingsdauer. Die Forschung zeigt, dass eine Reduzierung von 40-70 % des Spitzenvolumens optimal ist.
Konkrete Tipps für das Tapering
Tapering beginnen
Es ist ratsam, zunächst normale, leichte Läufe unter der Woche zu verkürzen. Der längste Dauerlauf sollte idealerweise drei Wochen vor dem Rennen stattfinden, und die nachfolgenden langen Dauerläufe werden immer kürzer.
Das Gleichgewicht zwischen Intensität und Häufigkeit finden
Während des Tapering ist es wichtig, dass Sie Ihre normale Trainingshäufigkeit so weit wie möglich beibehalten. Wenn ein Läufer beispielsweise fünf Tage in der Woche trainiert, sollte er auch weiterhin fünf Tage in der Woche laufen, allerdings mit deutlich kürzeren Einheiten. Dies hilft dem Körper, sich an die Regelmäßigkeit des Trainings zu gewöhnen, die Effizienz aufrechtzuerhalten und das Gefühl des Nachtrainierens zu vermeiden.
Reduzieren Sie die Intensität während des Trainings nicht. Das bedeutet, dass kurze Abschnitte im Wettkampftempo oder sogar etwas schneller eingebaut werden können, um die Beine fit zu halten, aber mit deutlich weniger Wiederholungen oder Gesamtdauer. Durch die Aufnahme kurzer, schneller Abschnitte wird das neuromuskuläre System aktiviert und das spezifische Wettkampftempo beibehalten, ohne weitere Ermüdung hervorzurufen.
Krafttraining während des Tapering
Das Krafttraining sollte schrittweise an das Laufpensum angepasst werden. Wenn ein Läufer normalerweise zweimal pro Woche Krafttraining absolviert, kann dies auch in der dritten und zweiten Woche vor dem Rennen fortgesetzt werden, allerdings mit kürzeren Übungen, weniger Wiederholungen und leichteren Gewichten. Trainieren Sie während der Taper-Phase nicht bis zur Erschöpfung. In der Woche vor dem Marathon sollte das Krafttraining vollständig eingestellt werden, um die Muskelerholung und die Glykogenspeicherung zu maximieren.
Leichte Erholungsaktivitäten
Tapering bedeutet nicht, dass Sie völlig untätig sein müssen. Leichte Spaziergänge, Mobilitätsübungen, Yoga oder leichte Sportarten (wie leichtes Schwimmen oder Radfahren) können dazu beitragen, die Muskeln geschmeidig zu halten, die Durchblutung zu fördern und die Nervosität zu verringern.
Ernährung und Flüssigkeitszufuhr während des Tapering
Ziel ist es, die Energiereserven zu maximieren und den Körper für den Marathon optimal mit Flüssigkeit zu versorgen.
Kohlenhydratstapelung (Carbo-Loading)
Bei der Kohlenhydratzufuhrhandelt es sich um eine Strategie, bei der die Kohlenhydratzufuhr in den letzten zwei bis drei Tagen vor einem Ausdauerwettkampf, wie z. B. einem Marathon, erhöht wird. Ziel ist es, die Glykogenspeicher in den Muskeln und in der Leber, die während des aeroben Trainings als Brennstoff dienen, wieder vollständig aufzufüllen. Dadurch kann der Läufer länger in einem optimalen Tempo laufen, bevor die Ermüdung einsetzt.
Proteinzufuhr für Muskelerholung und -erhalt
Proteine tragen zum Erhalt und zum Wachstum der Muskelmasse bei und unterstützen die Erholung nach dem Training. Für Ausdauerläufer, insbesondere für diejenigen, die jede Woche viele Stunden trainieren, sind Proteine wichtig, um den Muskelabbau zu bekämpfen und die Erholung zu unterstützen.
Flüssigkeitszufuhr
Ausreichendes Trinken unterstützt die richtige Flüssigkeitszufuhr während der Vorbereitung. Die Flüssigkeitszufuhr ist nicht nur am Wettkampftag wichtig, sondern sollte während der gesamten Tapering-Phase konsequent durchgeführt werden.
Auswahl der Sporternährung für den Marathon
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Mentale Widerstandsfähigkeit
Nach monatelangem intensivem Training kann das Reduzieren der Belastung zu Unsicherheit und dem Gefühl führen, dass die aufgebaute Fitness verloren geht. Hier erfahren Sie, wie Sie sich mental auf das Rennen vorbereiten:
- Vertrauen Sie dem Training: Tapering ist eine Phase der Konsolidierung und Erholung, nicht des weiteren Fitnessaufbaus. Ihre Fitness geht durch die reduzierte Belastung nicht verloren, im Gegenteil: Der Körper wird stärker und frischer.
- Visualisierung des Rennens: Visualisieren Sie nicht nur ideale Szenarien, sondern auch mögliche Herausforderungen und wie Sie damit umgehen können. Die Kenntnis der Strecke, einschließlich der Hügel oder der Stützpunkte, kann ebenfalls zur Vertrauensbildung beitragen.
- Erstellen Sie einen Rennplan: Ein detaillierter Rennplan, der auch eine Strategie für das Tempo und die Ernährung enthält, gibt Ihnen ein Gefühl der Kontrolle. Konzentrieren Sie sich auf das, was machbar ist (Ihr eigenes Tempo, Flüssigkeitszufuhr, Ernährung), und lassen Sie Elemente wie das Wetter außer Acht.
- Vorbereitung: Packen Sie am Vorabend des Rennens Kleidung und Proviant. Organisieren Sie die Logistik am Wettkampftag (Reisezeit, Parkplatz, Startzeit) lange im Voraus.
- Die Rennwoche ist definitiv nicht der richtige Zeitpunkt, um mit neuen Lebensmitteln, Schlafgewohnheiten oder Ausrüstungen zu experimentieren.
- Das Rennen ist die Belohnung für all die Mühe und harte Arbeit. Diese Perspektive kann dazu beitragen, den Druck zu verringern und das Erlebnis mehr zu genießen.
Vermeiden Sie diese Fehler beim Tapering
- Zu wenig oder zu viel Intensität: Wenn Sie das Training komplett einstellen, stehen die Chancen gut, dass Sie mit Brei in den Beinen an den Start gehen. Eine zu hohe Intensität erhöht das Risiko von Verletzungen oder anhaltender Müdigkeit.
- Paniktraining: Manche Läufer verspüren den Drang, während der Tapering-Wochen einen weiteren langen Dauerlauf zu absolvieren. Das erhöht nur die Müdigkeit. Sie bauen Ihre Fitness nicht eine Woche vor dem Marathon auf.
- Änderungen der Routine: Experimentieren Sie nicht mit neuen Lebensmitteln und bleiben Sie bei Ihrer gewohnten Ernährung
- Vergleiche mit anderen: Jeder Mensch trainiert anders und hat einen anderen Körper. Konzentrieren Sie sich auf Ihren eigenen Plan und Ihre innere Bestätigung.

